
Aphrodite und Adonis, Ölgemälde auf Leinwand von Hans von Aachen, entstanden zwischen 1574 und 1588. Befindet sich im Fogg Art Museum, Harvard Universität.
Der Mythos von Adonis und Aphrodite ist eine der bewegendsten und zutiefst menschlichen Erzählungen der Antike, die die tragische Liebe zwischen einer Göttin und einem Sterblichen beschreibt. Adonis, ein junger Mann von unvergleichlicher Schönheit, wurde aus dem Stamm seiner Mutter Myrrha geboren, die sich in einen Baum verwandelt hatte, um ihrem Vater zu entkommen. Die Liebesgöttin Aphrodite war so sehr von der Schönheit des Neugeborenen verzaubert, dass sie ihn in einer Truhe versteckte und Persephone, der Königin der Unterwelt, übergab, damit sie ihn aufzog. Als das Kind jedoch erwachsen wurde, weigerte sich Persephone, ihn zurückzugeben, was zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Göttinnen führte. Zeus entschied, dass der junge Mann seine Zeit zwischen der Oberwelt und der Unterwelt aufteilen sollte. Leider wurde Adonis’ Leben abrupt beendet, als er während einer Jagd von einem wilden Eber tödlich verwundet wurde. Aus seinem Blut, das die Erde tränkte, wuchs die Anemone, während Aphrodites Tränen weiße Rosen wurden, die die ewige Verbindung von Liebe mit Verlust und der Wiedergeburt der Natur besiegeln.
Die Ästhetik des Schmerzes und die vergängliche Schönheit
Es scheint, dass Schönheit in der mythologischen Tradition oft als Vorbote des unvermeidlichen Todes fungiert. Für den Kunst- und Mythosforscher, der sich mit den Göttern und Göttinnen beschäftigt, spiegelt sich die Gestalt des tragischen Jünglings stark im kollektiven Gedächtnis durch eine farbliche Skala des Schmerzes wider. Purpurnes Blut, durstiger Boden, zerbrechliche Blumen, all dies bildet die Kulisse der Abwesenheit. Wir sehen die Tragik des menschlichen Schicksals in den Augen einer Göttin, die trotz ihrer Unsterblichkeit machtlos dasteht.
Die menschliche Existenz mit all ihrer Zerbrechlichkeit wird in dieser Erzählung gepriesen. Der Sterbliche, belastet mit der Last einer Schönheit, die ihm nicht vollständig gehört, ist dazu berufen, ein Spiel mit vorgezeichnetem Ende zu spielen. Vielleicht war es auch nur ein Trost für die Menschen der Zeit, die die Jugend im Krieg oder an Krankheit verloren sahen. Frische Erde unter den Füßen des Jägers, der junge Mann allein. Der Tod tritt gewaltsam ein – ein Ereignis, das die Unfähigkeit des natürlichen Menschen hervorhebt, seine Herrschaft über die Schöpfung zu bewahren, wenn die göttliche Gnade fehlt.
Der Körper als Gefäß und das Schweigen der Trauer
Zerrissener Körper, blasse Lippen, leerer Blick. Diese Unzufriedenheit der sterblichen Natur verwandelt sich in ein künstlerisches Vorbild in den Darstellungen der Spätantike, indem sie die Wahrheit des Übersinnlichen durch das absolut Sinnliche vermittelt. Trauer, Schweigen, Abwesenheit. Der Zusammenbruch der Göttin im Wald und der Abstieg der Seele in den Hades bestätigen das tragische Ende jeder Schönheit, die nicht an der Ewigkeit teilhat.
In Persephones Armen, unter der Erde – wer kann wirklich diesem Gesetz der Vergänglichkeit entkommen? – findet der junge Mann eine vorübergehende, kalte Zuflucht. Den Kreislauf der Jahreszeiten eröffnet also der Tod selbst. Die Natur beweint ihn, nimmt ihn auf. Und nicht nur das. Wenn das Leben in der Erde verloren geht, dann kehrt das Leben als Blume zurück. Oder vielleicht nicht;
Vom mythischen Wechsel zur eschatologischen Erwartung
Aus Anlass der theologischen Suche ist der alte Mythos nicht nur eine Beobachtung der landwirtschaftlichen Zyklen, sondern ein tiefer Schrei der Menschheit. Die Verzweiflung angesichts der Leere des Todes haben die Menschen früh ausgedrückt. Adonis, schwach, übergibt sich der Dunkelheit. Die Antwort auf das Geheimnis der Existenz ist kein ewiger Kreislauf der Vergänglichkeit, sondern ein geradliniger Weg zur Erlösung. Weder die natürliche Schönheit, noch die vergängliche Liebe, noch die Träne einer Göttin können den Tod verhindern.
Den wahren Bräutigam der Seele sucht der Mensch in jeder Erscheinung seiner Kultur. Das Jenseits dringt in das Jetzt ein und sucht nicht nur einen schönen Jüngling, sondern Gott selbst. Dunkelheit bedeckt die Augenlider, während das Leben weiter in den Flüssen fließt und auf den Wiesen blüht.
Das Bedürfnis des Menschen – ich weiß nicht genau, wie wir es heute im Lärm der Stadt wahrnehmen – sich mit dem Göttlichen zu verbinden, bleibt unvergänglich. Die Vergeblichkeit beansprucht die Herrschaft. Wie beim Wechsel der Jahreszeiten birgt die Erwartung des Frühlings einen kleinen, unzureichenden Nachklang der Auferstehung in sich.
Die Überwindung der Vergänglichkeit im Alltag
Verwundbar steht der Mensch vor dem Geheimnis des Jenseits. Das Zeugnis vom Fall der Schöpfung. Das Verständnis des menschlichen Antlitzes offenbart allmählich, im Laufe der Jahrhunderte. Dies, den Schmerz der Trennung, erleben wir alle. Die Trauer der Trennung – unerträglich, dunkel, still. Die Jahrtausende formen die Hoffnung im menschlichen Herzen. Und dies wird eindrucksvoll bewiesen durch die Art und Weise, wie die alten Mythen, wie Flüstern in der Dunkelheit, verzweifelt nach einer Kraft suchten, die wirklich Leben und Tod beherrschen kann.
Dies prägt unseren geistigen Hintergrund. Es ist die Sehnsucht nach etwas, das die biologische Vergänglichkeit übersteigt. Erwartung, die aus der Erkenntnis der Vergänglichkeit geboren wird. Der Alltag verwandelt sich naturgemäß in ein Feld der Übung und des Dienstes. Die Ereignisse des Lebens sind parataktisch verbunden, das Wesentliche wird ausgelassen. Ein ständiges Bemühen. Ein Weg zum Licht.
Die Liebe endet in einem Klagelied über einen leblosen Körper. Ich glaube jedoch, dass darin der ganze Sinn verborgen liegt. In der Akzeptanz, dass wir nicht für den Tod geschaffen sind, sondern für das Leben.
Bibliographie
Cyrino, M. S., Aphrodite, London: Routledge, 2012.
Tuzet, Hélène., Adonis, London: Routledge, 2016.
The Myth of Aphrodite and Adonis, Ankara: Journal of Mosaic Research, 2020.
Aphrodite and Adonis, California: Classical Antiquity, 1995.
Adonis, The Myth, Berlin: Springer, 1980.

