
Den rechten Arm über den Kopf erhoben, in einer Bewegung, die die Schulter verdreht und das zerrissene Hemd bis zur Mitte des Rumpfes aufklaffen lässt, hält der Greis auf einem Gemälde des 17. Jahrhunderts im Philadelphia Museum of Art einen Zirkel am Kopf und senkt dessen Schenkel auf die Oberfläche eines Himmelsglobus. Das Museum schreibt das Ölbild, das es um 1660 datiert, Giovanni Battista Langetti zu und identifiziert die Gestalt mit Anaxagoras von Klazomenai (um 500–428 v. Chr.), jenem Vorsokratiker, der als Erster seines Fachs in Athen lebte und, soweit wir wissen, als Erster die Finsternisse durch das Dazwischentreten eines Himmelskörpers vor einen anderen erklärte. Eine Generation zuvor, 1636, hatte Jusepe de Ribera ihn ganz anders gemalt: über ein gewaltiges Buch gebeugt, in geflickter Kleidung. Beides sind Phantasiebildnisse, und jedes liest von einer anderen Seite her eine Überlieferung, die bei den spärlichen Fragmenten des Philosophen selbst beginnt und über Platon und Aristoteles bis zu den Biographen der Spätantike reicht.
Von Klazomenai in das Athen des Perikles
Als Spross einer wohlhabenden, aristokratischen Familie aus Klazomenai, einer Stadt an der Westküste Kleinasiens, überließ Anaxagoras der Überlieferung zufolge sein väterliches Vermögen den Verwandten, um sich der Philosophie zuzuwenden. Die Anekdoten, die Diogenes Laertios in seinen Philosophenviten sammelte, prägten früh das Bild eines Denkers, den nichts kümmert, was nicht den Himmel betrifft. Den Verwandten, die ihm Nachlässigkeit vorwarfen, entgegnete er mit der Frage, warum sie sich nicht selbst um das Vermögen kümmerten; wer ihn fragte, ob ihm denn an seiner Vaterstadt nichts liege, dem wies er auf den Himmel und sagte, an ihr liege ihm sehr viel; und als man ihn fragte, wozu er geboren sei, antwortete er, um Sonne, Mond und Himmel zu betrachten. Solche Erzählungen der biographischen Literatur lassen sich historisch kaum überprüfen, als Zeugnisse dafür, wie die Antike ihn in Erinnerung behielt, haben sie gleichwohl Gewicht, und vor den beiden Gemälden werden sie uns wieder begegnen.
Zwanzig Jahre alt, schreibt derselbe Biograph, sei er gewesen, als Xerxes 480 v. Chr. den Hellespont überschritt; daraus erschließt man seine Geburt um 500 v. Chr. Jenseits dieses Punktes verschiebt sich fast jede Station seines Lebens je nach Forscher, wie der einschlägige Artikel von Patricia Curd und John Sisko in der Stanford Encyclopedia of Philosophy im Einzelnen zeigt. Für seine Ankunft in Athen wurden Daten vorgeschlagen, die von 480 v. Chr., unwahrscheinlich für eine Stadt, die damals in einen Krieg verwickelt war, bis 456 v. Chr. reichen, wofür Mansfeld eintrat und worin ihm andere folgten; eine abweichende Rekonstruktion, die Jankos, sieht den Philosophen in den Jahren 466–460 v. Chr. als Schützling des Themistokles in Lampsakos, bevor er nach Athen kam und in den Kreis des Perikles eintrat. In der Stadt, wo er zwanzig bis dreißig Jahre blieb, als Freund und Schützling des Perikles, verbreiteten sich seine Ideen weit über den engen Kreis seiner Gesprächspartner hinaus: Sophokles und Euripides kannten sie, vielleicht auch Aischylos, und ganz gewiss der Komödiendichter Aristophanes.
Er schrieb nur ein einziges Buch, das man, wie Sokrates in Platons Apologie sagt, für höchstens eine Drachme kaufen konnte. Seine Datierung schwankt in gleicher Weise, von den 470er-Jahren bis 440 v. Chr.; Grahams Vorschlag, die Jahre zwischen 478 und 466 v. Chr., gilt dem Stanford-Artikel als besonders überzeugend und stützt sich auf zwei astronomische Ereignisse, von denen weiter unten die Rede sein wird. Erhalten sind zweiundzwanzig Fragmente, insgesamt 118 Textzeilen, überliefert von späteren Philosophen und Kommentatoren. In der maßgeblichen Sammlung der Vorsokratiker von Diels und Kranz trägt Anaxagoras die Nummer 59. Die Schrift begann nach Diogenes mit der Feststellung, alle Dinge seien beisammen gewesen, bis der Nous kam und sie ordnete, und nach diesem Anfang erhielt der Philosoph selbst den Beinamen „Nous“.
Die Anklage wegen Asebie und Lampsakos
Die Sonne, die die herkömmliche Religion als Gottheit verehrte, war für Anaxagoras ein glühender Stein, und diese Lehre brachte ihm, zusammen mit anderen, die als gefährlich galten, eine Anklage wegen Gottlosigkeit ein. Über die Umstände des Prozesses gehen die antiken Berichte so weit auseinander, dass Diogenes die Fassungen nacheinander anführt, ohne sich für eine zu entscheiden. Nach Sotion war Kleon der Ankläger, und der Philosoph, der die Sonne eine glühende Metallmasse genannt hatte, wurde zu einer Geldstrafe von fünf Talenten und zur Verbannung verurteilt. Nach Satyros erhob Thukydides, ein politischer Gegner des Perikles, die Anklage und fügte der Gottlosigkeit noch den Vorwurf des Einvernehmens mit den Persern hinzu, worauf Anaxagoras in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Hermippos sprach von Haft und Freilassung, nachdem Perikles an das Volk appelliert hatte, Hieronymos von einem Freispruch, der eher dem Wohlwollen der Richter zu verdanken war.
Die neuere Forschung hat den Prozess auf 450, 437, 434 oder 430 v. Chr. gesetzt. Das letzte Datum, das die Verfasser des Artikels für das wahrscheinlichste halten, verbindet die Sache mit einer Zeit, in der die gescheiterten Feldzüge von 431 und 430 v. Chr. und der Ausbruch der Seuche die Stellung des Perikles erschüttert hatten und mit ihm auch Personen aus seinem Umfeld angreifbar wurden, unter ihnen Pheidias und Aspasia. Plutarch bringt die Verfolgung mit dem Psephisma des Diopeithes in Verbindung, das sich gegen jene richtete, die nicht an die Götter glaubten und über die Himmelserscheinungen lehrten. In denselben Zusammenhang gehört ein Wort, das Satyros dem Philosophen zuschreibt: Als er im Gefängnis von seiner Verurteilung und zugleich vom Tod seiner beiden Söhne erfuhr, habe er gesagt, er habe gewusst, dass sie sterblich seien, seit er sie gezeugt habe. Mitten in der Seuche gesprochen, die auch Perikles seine Söhne nahm, klingt es weniger kalt, als wenn man es in ein anderes Jahr versetzte.
In Lampsakos, an der Südküste des Hellesponts, ließ er sich nieder und starb dort 428 v. Chr. Die Lampsakener bestatteten ihn mit großen Ehren. Als man ihn, so Diogenes, fragte, was zu seinem Gedächtnis geschehen solle, bat er, den Knaben der Stadt jedes Jahr im Monat seines Todes schulfrei zu geben, ein Brauch, der zur Zeit des Biographen noch bestand.
Alles in allem: die Physik des Anaxagoras
Sein Denken bewegte sich zwischen zwei Traditionen. Auf der einen Seite hatten die Milesier, Thales, Anaximander und Anaximenes, versucht, die Welt aus Regelmäßigkeiten des natürlichen Systems selbst zu erklären, ohne personifizierte Götter zu bemühen; in diese Linie gehört Anaxagoras, in dessen erhaltenen Fragmenten das Wort „Gott“ nicht vorkommt. Auf der anderen Seite hatte Parmenides behauptet, das Nichtseiende könne nicht sein, und folglich seien Entstehen und Vergehen unmöglich. Dieses Verbot nimmt der Klazomenier an, deutet es aber auf eigene Weise: Die Hellenen, schreibt er in einem der Fragmente (B17), dächten über Entstehen und Vergehen nicht richtig, denn nichts entstehe oder vergehe, sondern werde aus schon Vorhandenem gemischt und wieder geschieden, und richtiger wäre es, das Entstehen Mischung und das Vergehen Scheidung zu nennen. Die Bewegung aber, die der Eleat verwarf, braucht Anaxagoras, und an dieser Stelle entfernt er sich von ihm.
Der Grundsatz, der sich am engsten mit seinem Namen verband, ist in einem anderen Fragment (B11) formuliert: In jedem Ding ist ein Anteil von jedem Ding. Ein Goldbarren enthält nach dieser Logik auch Erde und Wasser, Fleisch und Haar, Anteile von allen Grundarten des Stoffes, die einander durchdringen müssen, um überall zugleich vorhanden zu sein. Die Ernährung bot ein beinahe lehrbuchhaftes Beispiel. Wenn ein Kind Brot isst und Milch trinkt und sein Körper Fleisch, Blut und Knochen ansetzt, beruht die Veränderung nicht auf der Umwandlung eines Stoffes in einen anderen, denn diese Bestandteile waren in der Nahrung schon enthalten und sammeln sich bloß an. Die Frage „Wie könnte Haar aus Nicht-Haar werden?“, die ein anonymer Scholiast zu Gregor von Nazianz überliefert, fasst die Argumentation zusammen, wenngleich die Echtheit des betreffenden Fragments bestritten worden ist.
Wenn alles in allem ist, bleibt zu erklären, warum Gold wie Gold aussieht. Die Antwort steht in Fragment B12: Jedes Ding ist und war am deutlichsten das, wovon am meisten in ihm ist. Das heißt nicht, wie oft angenommen wird, dass der vorherrschende Bestandteil mehr als die Hälfte der Masse ausmachen müsse; es genügt, dass er jeden anderen Bestandteil für sich genommen übertrifft. Die Möglichkeit einer vollständigen Scheidung, die die allgemeine Mischung aufheben würde, schließt seine Lehre vom Unendlichen aus: Beim Kleinen gibt es kein Kleinstes, sondern immer ein noch Kleineres, und beim Großen immer ein Größeres (B3). Weniger klar sind die „Samen“, von denen Fragment B4b spricht; man hat sie bald als biologische Samen, bald als Bezeichnung für die Grundstoffe selbst gedeutet, aus denen gewissermaßen alles Übrige hervorsprießt. Der Begriff „Homoiomerien“ schließlich, mit dem die spätere Überlieferung sein System zusammenfasste, stammt wahrscheinlich von Aristoteles und nicht von ihm selbst.
Der Nous und der Weltwirbel
Unter allem Gemischten bleibt eines allein ungemischt. Der Nous ist nach dem umfangreichsten erhaltenen Fragment (B12) unbegrenzt und selbstherrschend und mit keinem Ding vermischt; wäre er vermischt, so würden ihn die Dinge, mit denen er vermengt wäre, daran hindern, über sie zu herrschen, während er nun, allein für sich, das Feinste und Reinste von allem, volle Einsicht über alles besitzt und die größte Kraft hat. Er setzte die Umdrehung in Gang, die in einem kleinen Bereich begann, jetzt weiter ausgreift und noch weiter ausgreifen wird, und er ordnete alles, was sein sollte, was war und jetzt nicht mehr ist, was ist und was sein wird, dazu auch den Umschwung, in dem sich die Gestirne, Sonne und Mond, Luft und Äther bewegen. Der Wirbel verteilt, indem er sich ausbreitet, den Stoff neu und lässt die einzelnen Gegenstände der Welt hervortreten, und in einem anderen Fragment (B4a) spricht der Philosoph von Menschen, die Städte bewohnen und das Land bebauen, mit Sonne und Mond „wie bei uns“, und vertritt damit eine These von mehreren gleichgestalteten Welten, deren Topographie nirgends geklärt wird.
Dieses Prinzip, das mehr versprach, als es hielt, rief die bekannteste Enttäuschung der antiken Philosophie hervor. In Platons Phaidon erzählt Sokrates, wie er sich freute, als er hörte, der Nous ordne alles, und erwartete, aus dem Buch des Anaxagoras zu erfahren, warum es am besten sei, dass die Dinge sich so verhalten, wie sie sich verhalten, und wie er beim Lesen feststellte, dass der Verfasser den Nous gar nicht zur Erklärung der Weltordnung heranzog, sondern Luft, Äther, Wasser und viel anderes Seltsame als Ursachen anführte. Aristoteles wiederholte die Kritik, schrieb aber auch jenen Satz, der den Ort des Anaxagoras in der Geschichte des Denkens bestimmte: Als er behauptete, Vernunft sei in der Natur wie in den Lebewesen als Ursache der Welt und aller Ordnung, erschien er wie ein Nüchterner neben denen, die vor ihm aufs Geratewohl geredet hatten (Metaphysik I 3, 984b15).
Was der Nous genau war, darüber ist sich die neuere Forschung nicht einig geworden. Für manche Interpreten handelt es sich um einen besonderen, überaus feinen Stoff, für andere um den Versuch, etwas Unkörperliches zu beschreiben, bevor es eine Sprache dafür gab; eine dritte Lesart sieht in ihm das Naturgesetz selbst. Die meisten heutigen Forscher verstehen ihn, entgegen dem Urteil des platonischen Sokrates, als teleologische Ursache, Sedley mit dem Akzent auf einer anthropozentrischen Ausrichtung der Kosmogonie, Laks als fortwährende erkennende Unterscheidung der Bestandteile. Ein Fragment des Philodemos aus den Papyri von Herculaneum (PHerc. 1428), das in der Sammlung von Diels und Kranz fehlt und von Vassallo ediert wurde, schreibt Anaxagoras den Gedanken zu, die vom Nous ausgehende Bewegung sei, war und werde immer sein, die Kosmogonie habe also keinen ersten Augenblick gehabt. Die Wirkung des Prinzips ist deutlich ablesbar am kosmischen Nous in Platons Timaios, am unbewegten Beweger des Aristoteles und an dessen Lehre vom menschlichen Geist in der Schrift Über die Seele.
Finsternisse, Meteoriten und die Sonne als glühender Stein
Die Erklärung der Finsternisse durch das Dazwischentreten, die Verdeckung eines Körpers durch einen anderen, scheint sich auf Beobachtung und Berichte gestützt zu haben. Am 17. Februar 478 v. Chr. warf eine ringförmige Sonnenfinsternis, sichtbar von Athen, Klazomenai und Lampsakos aus, ihren Schatten über den größten Teil der Peloponnes, und Seeleute, die die Ägäis überquerten, konnten die Nachricht weitertragen. Aus solchen Berichten stammen vielleicht zwei ihm zugeschriebene, sonst merkwürdig konkrete Behauptungen: dass der Mond so groß sei wie die Peloponnes und dass die Sonne größer sei als der Mond. Deshalb gilt die Finsternis von 478 als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Abfassung seines Buches.
Als Erster vertrat er auch die Ansicht, dass es am Himmel feste, schwere Körper gebe, die von der heftigen Umdrehung des Wirbels gehalten würden, und dass manche von ihnen, deren Kraft überwindend, eines Tages auf die Erde fallen würden. Wenige Jahre später, 466 v. Chr. nach Plinius, fiel, während ein Komet am Nachthimmel zu sehen war, ein Stein von der Größe eines Wagens bei Aigospotamoi nieder, an der Lampsakos gegenüberliegenden Küste des Hellesponts, und Anaxagoras kam in den Ruf, den Fall „vorhergesagt“ zu haben. Diogenes schreibt, er habe vorausgesagt, ein Stein werde aus der Sonne fallen, und Euripides, den er für einen Schüler des Anaxagoras hält, nenne im Phaethon die Sonne einen goldenen Klumpen. Dasselbe Jahr brachte, nach der Analyse, der der Stanford-Artikel folgt, auch eine Widerlegung: Die Kometentheorie des Philosophen, der Kometen als Zusammentreffen von Planeten erklärte, wurde durch den Halleyschen Kometen widerlegt, der von Juni bis August 466 v. Chr. im ganzen Mittelmeerraum sichtbar war, ein Umstand, der für die Veröffentlichung des Buches vor diesem Jahr spricht. Auf dieselbe naturkundliche Weise erklärte er Donner und Blitz, Wirbelstürme, Hagel und die Nilüberschwemmungen, die er auf die Schneeschmelze in den Bergen Äthiopiens zurückführte, während er sich die Erde flach vorstellte, in Gestalt einer Trommel.
Eine Episode, die Plutarch erzählt, zeigt, wie die Theorie in den Kreis des Perikles gelangte. Am 3. August 431 v. Chr., als die Flotte gerade auslaufen wollte, trat eine Sonnenfinsternis ein, und Panik ergriff die Mannschaften. Perikles hielt seinen Mantel vor die Augen des verängstigten Steuermanns und fragte ihn, ob er dies für ein schreckliches Vorzeichen halte; als dieser verneinte, fragte er, worin denn der Unterschied zur Finsternis bestehe, außer dass etwas Größeres als ein Mantel sie verursacht habe. Was die Sinne betrifft, räumte Anaxagoras ein, dass ihre Schwäche uns hindere, die Wahrheit zu unterscheiden (B21), hielt aber daran fest, dass die Erscheinungen einen Blick auf das Verborgene gewähren (B21a), und Aristoteles sollte später seine Erklärung der Finsternisse in den Zweiten Analytiken als Muster wissenschaftlicher Erklärung verwenden.
Anaxagoras in der Malerei des 17. Jahrhunderts
Die Wiederentdeckung und Edition klassischer Texte im 16. und 17. Jahrhundert belebte das Interesse an den Philosophen der Antike neu, und in Neapel, wo die spanische Aristokratie des Vizekönigreichs Riberas wichtigste Kundschaft bildete, wurde die Gestalt des weisen Alten, arm und demütig, zu einem eigenständig gefragten Bildthema. Der Katalog des LACMA vermerkt zu einem Philosophen aus derselben Werkgruppe, der Maler habe die Denker als Arme dargestellt und so ihre Hingabe an metaphysische statt materielle Ziele betont, und die Askese, die die Überlieferung antiken Philosophen, Propheten und Heiligen zuschrieb, habe beim spanischen katholischen Publikum Anklang gefunden. Diogenes Laertios schließlich war nicht nur eine Quelle für Anekdoten, sondern auch für physiognomische Hinweise, und auf der Grundlage solcher Beschreibungen werden bis heute Identifizierungen unbeschrifteter Gestalten versucht.
Zirkel und Himmelsglobus auf dem Gemälde in Philadelphia
Der Museumseintrag betitelt das Werk The Philosopher Anaxagoras, datiert es um 1660 und schreibt es mit dem Vorbehalt „zugeschrieben“ Giovanni Battista Langetti (1625–1676) zu. Das Ölbild auf Leinwand, 99,7 × 134 cm groß, mit der Inventarnummer W1904-1-25, gelangte 1904 als Ankauf aus dem W. P. Wilstach Fund in die Sammlung. In seiner kurzen Notiz setzt das Museum Anaxagoras ins 4. Jahrhundert v. Chr., während die antiken Zeugnisse und die philosophische Fachliteratur übereinstimmend auf die Jahre um 500–428 v. Chr., also das 5. Jahrhundert, führen. Als Kennzeichen der Gestalt nennt es seinen Ruhm für astronomische und mathematische Entdeckungen und sein asketisches Leben, das der Maler durch das Gewand aus Tierfell andeutet. Die Identifizierung ist übrigens nicht die einzige, die vorgeschlagen wurde, denn in Verzeichnissen der digitalen Reproduktion des Werkes taucht auch der Name des Archimedes auf.
Die querformatige Komposition öffnet sich links auf einen stürmischen Himmel mit grauweißen Wolken und Flecken tiefen Blaus über einem niedrigen, dunklen Horizont, während die diagonal gesetzte Gestalt die Mitte ausfüllt. Das Licht fällt kräftig auf den nackten Oberkörper und das weiße Hemd, das zerrissen ist und offen herabhängt, und an der Schulter, nahe dem Globus, ist das Fell des Gewandes zu erkennen. Das Gesicht, umrahmt von einem langen gräulichen Bart mit warmen Lichtern, erscheint in Verkürzung, der Blick auf den Globus gerichtet. Der rechte Arm winkelt sich über dem Kopf und hält das Instrument an seinem oberen Ende, während der linke vor dem Körper vorbeiführt und auf einem gefalteten Blatt oder Buch unten links ruht. Der Globus auf einem dunklen, gedrechselten Gestell, von Ringen umgeben, trägt gezeichnete Sternbildfiguren, darunter eine lange, gewundene Linie wie der Leib einer Schlange, und kleine rötliche Markierungen. Auf dem Tisch rechts ein kleines Tintenfass mit weißem Federkiel und ein aufgerolltes Blatt mit einer Reihe von Buchstaben, die sich in der verfügbaren Reproduktion nicht lesen lassen.
Anders als Riberas Lesender ist Langettis Philosoph im Freien dargestellt, unter offenem Himmel, im Augenblick des Messens. Diese Wahl lässt sich als bildliche Umsetzung der Anekdoten des Diogenes lesen, vom Mann, der auf den Himmel als seine Heimat zeigt und erklärt, er sei geboren, um Sonne, Mond und Himmel zu betrachten, ohne dass wir freilich wissen, ob der Maler oder sein Auftraggeber genau diese Stellen im Sinn hatten.
Das Buch und die geflickte Kleidung auf Riberas Gemälde

1636 wurde in den Büchern des Banco dello Spirito Santo in Neapel eine Zahlung von hundert Dukaten verbucht, eine Anzahlung auf insgesamt fünfhundert, von Lorenzo Cambi und Simone Verzone an „Gioseppe de Ribera“ für zwölf Gemälde von fünf Palmi Höhe und vier Palmi Breite, auf deren jedem der Maler eigenhändig einen Philosophen malen sollte, zum Gebrauch des „conte Carlo Felesbergh“, also des Fürsten Karl Eusebius von Liechtenstein, bei einer Lieferfrist von sechs Monaten. Das Dokument, 1983 von Eduardo Nappi veröffentlicht und 1986 von Craig Felton im Burlington Magazine kommentiert, wird im Katalog der Clowes Collection des Museums in Indianapolis zitiert, im Eintrag zu einem Philosophen Riberas, der höchstwahrscheinlich als Euklid zu identifizieren ist, signiert und datiert 1637. Von den zwölf Gemälden wurden schließlich sechs geliefert; sie blieben bis 1954 in den Sammlungen der Fürsten von Liechtenstein und wurden dann zerstreut. Der Euklid in Indianapolis misst etwa 124,7 × 98,7 cm, der Philosoph des LACMA 124,3 × 99,1 cm.
Der Anaxagoras, ein Ölbild auf Leinwand von 1636 im Format 120 × 95 cm, befindet sich in Privatbesitz. Nach links gewandt, im Profil, neigt die Gestalt den Kopf über ein dickes Buch, das sie mit beiden Händen hält, eine stützt es von unten. Das lockige weiße Haar und der weiße Bart, Stirn und Wange empfangen das Licht, das von links oben einfällt, dasselbe Licht, das die Seiten aufhellt, auf denen lineare geometrische Figuren zu sehen sind, während der Hintergrund dunkel und nahezu einheitlich bleibt. Der grobe braune Kittel ist an Schulter und Arm mit Stücken helleren Stoffes geflickt, darunter kommen ein graublauer Kragen und ein roter Ärmel zum Vorschein. Am Tischrand, im Vordergrund, tragen gefaltete Papierblätter ebenfalls schwache Linienspuren. Darüber, im dunklen Bereich unter der Hand, die das Buch stützt, ist eine Inschrift in heller Farbe in der verfügbaren Reproduktion nicht sicher zu lesen.
Die Flicken des Gewandes gehören zur Konvention des armen Weisen, die Ribera in allen seinen Philosophenserien pflegte. Im Fall des Anaxagoras gewinnt die Konvention jedoch einen besonderen Nachhall, wenn man sich an die Erzählung vom wohlhabenden jungen Mann aus Klazomenai erinnert, der sein Vermögen den Verwandten überließ. Die geometrischen Figuren auf den Seiten wiederum verbinden die Gestalt mit seinem Ruf als Mathematiker und Astronom, demselben Ruf, auf den sich auch das Museum in Philadelphia für Langettis Gemälde beruft. Die Zugehörigkeit des Werkes zum Auftrag des Fürsten ist im Katalog der Clowes Collection belegt, wo der Anaxagoras zu den sechs gelieferten Gemälden gezählt und unter den durch Inschriften identifizierten Gestalten genannt wird.
Quellen und Literatur
- Curd, P., & Sisko, J. (2026). Anaxagoras. Stanford Encyclopedia of Philosophy, Stanford University (Erstveröffentlichung 2007, inhaltliche Überarbeitung 9. August 2026).
- Diogenes Laertius (1925). Lives of Eminent Philosophers, Buch II, Kap. 3 (Anaxagoras). Übers. R. D. Hicks. Loeb Classical Library, Harvard University Press.
- Los Angeles County Museum of Art. Jusepe de Ribera, A Philosopher (1637), Nr. M.91.125.2, Sammlungseintrag.
- Philadelphia Museum of Art. The Philosopher Anaxagoras (um 1660), Sammlungseintrag.