
Der athenische Staat nannte ihn amtlich „Perikles, Sohn des Xanthippos, aus Cholargos“ (Periklēs Xanthippou Cholargeus). Der Name bestand aus drei Teilen: dem Eigennamen, dem Patronymikon und dem Demotikon, also dem Namen des Demos, jener kleinen Verwaltungsgemeinde Attikas, in die sich der Bürger bei Erreichen der Volljährigkeit eintragen ließ und über die er, wie es die Reform des Kleisthenes festgelegt hatte, an Phyle, Heer und Ämtern teilhatte. Unter diesem Namen kannte man den Mann, der einer ganzen Epoche seinen eigenen geben sollte. Die dreigliedrige Benennung verrät mehr, als sie zunächst preisgibt, denn sie stellt Perikles von Anfang an in das System, dem er selbst dienen und das er umgestalten würde. Die Inschrift der römischen Herme im Vatikan wiederum setzt an die Stelle des Demotikons das Ethnikon ΑΘΗΝΑΙΟΣ, „Athener“, und zeigt, wie der Politiker aus Cholargos für die Nachwelt zum Sinnbild Athens selbst wurde. Cholargos gehörte zur Phyle Akamantis. Sein Name lebt heute in einer Gemeinde der östlichen Vororte der Hauptstadt fort, die genaue Lage des antiken Demos ist jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt.
Alkmaionide mütterlicherseits, Sohn des Siegers von Mykale
Kein antiker Autor überliefert sein Geburtsjahr; aus dem, was wir über sein Alter und seine Laufbahn wissen, wird es auf etwa 495 v. Chr. geschätzt. Sein Vater war Xanthippos, ein Politiker, der 484 ostrakisiert wurde, mit der allgemeinen Rückberufung der Verbannten vor Salamis zurückkehrte und 479 die Athener zum Sieg bei Mykale führte. Seine Mutter war Agariste, eine Nichte des Kleisthenes aus dem Geschlecht der Alkmaioniden. Diese Familie hatte ihren Namen mit dem Sturz der Peisistratiden verbunden, aber auch mit einem alten Fluch, der frevelhaften Tötung der Anhänger Kylons im 7. Jahrhundert. Dieser Fluch, das sei schon hier vermerkt, geriet nie in Vergessenheit. Die Spartaner beriefen sich 432 auf ihn und verlangten von den Athenern, Perikles als Befleckten zu vertreiben, wie Thukydides berichtet. Herodot, der wenige Jahrzehnte später schrieb, erzählt, Agariste habe geträumt, sie gebäre einen Löwen, und wenige Tage danach Perikles zur Welt gebracht. Er kommentiert den Traum nicht; neuere Interpreten lesen ihn bald als Lob, bald als Anspielung auf die übermäßige Macht eines Einzelnen in einer Demokratie.
Über seine Bildung unterrichtet uns vor allem Plutarch. Er nennt den Musiker Damon, dem er die Rolle eines politischen Beraters zuschreibt, Zenon von Elea und vor allem Anaxagoras von Klazomenai, den Philosophen, der lehrte, dass der Geist die Welt in Bewegung setzt. Von Anaxagoras soll Perikles der Überlieferung nach die Erhabenheit der Rede und die Verachtung des Aberglaubens gelernt haben. Das Bild des philosophischen Staatsmannes verdankt gewiss vieles späteren Schulen und schon Platon. Der erste öffentliche Auftritt des jungen Alkmaioniden ist dagegen inschriftlich gesichert: 472 finanzierte er als Chorege die Aufführung der Perser des Aischylos, einer Tragödie über Salamis, wo auch sein Vater gekämpft hatte.
Vom Sturz des Areopags zur langen Vorrangstellung
Auf der politischen Bühne erscheint er 463, unter den Anklägern Kimons. Kimon, damals der mächtigste Athener, wurde nach dem Feldzug gegen Thasos der Bestechlichkeit angeklagt und freigesprochen. Unmittelbar danach, 462/1, findet sich Perikles im Umfeld des Ephialtes, jenes Politikers, der dem Areopag, dem Rat der ehemaligen Archonten, die meisten seiner politischen Befugnisse entzog, um sie auf den Rat der Fünfhundert, die Volksversammlung und die Volksgerichte zu übertragen. Ephialtes wurde kurz darauf ermordet, und Perikles stand nun an der Spitze einer Gruppierung, die ihre Stärke aus dem Volk der Stadt und der Flotte bezog. Mit seinem Namen verbinden die Quellen drei Maßnahmen, die das Gesicht der athenischen Demokratie veränderten:
- Der Richtersold. Er war eine Entschädigung für diejenigen, die in den Volksgerichten saßen, und erlaubte auch den Armen, ihre politischen Rechte wahrzunehmen. Die Athenaion Politeia aus der Schule des Aristoteles stellt ihn als Gegengewicht zu den privaten Freigebigkeiten des reichen Kimon dar.
- Das Gesetz von 451/0. Ihm zufolge war nur Bürger, wer von zwei athenischen Eltern abstammte.
- Die Verlegung der Kasse des Delisch-Attischen Seebundes. Die Kasse wurde von Delos nach Athen gebracht, höchstwahrscheinlich 454/3. Dieser Schritt besiegelte die allmähliche Umwandlung eines Bündnisses theoretisch gleichberechtigter Städte in eine athenische Hegemonie.
Sein bedeutendster Gegner in diesen Jahren war Thukydides, Sohn des Melesias, ein Verwandter Kimons und nicht der Geschichtsschreiber. Dieser Thukydides prangerte die Verwendung der Bündnergelder für die Ausschmückung Athens an und wurde um 443 ostrakisiert. Seitdem, so schreibt Plutarch, wurde Perikles jedes Jahr zum Strategen gewählt, fünfzehn Jahre in Folge. Was dieses Amt bedeutete, muss allerdings geklärt werden. Der Stratege war einer der zehn gewählten militärischen Amtsträger der Polis, ohne jeden institutionellen Vorrang vor seinen Kollegen. Er war rechenschaftspflichtig und konnte abgesetzt werden. Die Macht des Perikles beruhte auf seiner Fähigkeit, die Volksversammlung zu überzeugen. Deshalb beschreibt das berühmte Urteil des Thukydides, das Athen jener Zeit sei „dem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit aber die Herrschaft des ersten Mannes“ gewesen (λόγῳ μὲν δημοκρατία, ἔργῳ δὲ ὑπὸ τοῦ πρώτου ἀνδρὸς ἀρχή), einen politischen Einfluss und kein Amt, und schon gar keine Tyrannis.
Die Bundeskasse und die Bauten der Akropolis
Zwei Friedensschlüsse sind mit der Zeit des Bauprogramms verbunden. Der erste war der Frieden mit Persien, den die Quellen mit der Gesandtschaft des Kallias im Jahr 449 in Verbindung bringen und dessen Historizität noch immer umstritten ist. Der zweite war der Dreißigjährige Frieden mit Sparta 446/5, der auf den Abfall Euboias und den Verlust Megaras folgte. In diesen Jahren wandte sich Perikles dem Ausbau der Stadt zu, mit einem Programm, das in der griechischen Welt ohne Vorbild war. Der Bau des Parthenon begann 447 unter den Architekten Iktinos und Kallikrates, sein Skulpturenschmuck wurde um 432 vollendet. Die Propyläen des Mnesikles entstanden von 437 bis 432 und wurden nie fertiggestellt. Am Südhang erhob sich das Odeion, der überdachte Bau für die musischen Agone. Die Aufsicht über das Ganze hatte nach Plutarch der Bildhauer Phidias, ein Freund des Perikles. Das Erechtheion und der Tempel der Athena Nike gehören größtenteils in die Jahre nach seinem Tod. Das hindert die Welterbeliste der UNESCO nicht daran, die Gesamtheit der Monumente des 5. Jahrhunderts den ehrgeizigen Plänen des athenischen Staatsmannes zuzuschreiben.
Bezahlt wurden diese Bauten zu einem großen Teil aus den Beiträgen der Bündner. Die Gegner des Perikles warfen ihm, wiederum nach Plutarch, vor, er schmücke die Stadt wie eine eitle Frau mit dem Geld Griechenlands, das für den Krieg gegen die Perser zusammengetragen worden war. Er erwiderte, die Athener schuldeten den Bündnern nichts als ihren Schutz. Derselbe Biograph erklärt, Perikles habe der Menge der Handwerker, die nicht in der Flotte dienten, Arbeit und Lohn sichern wollen. Die Erklärung klingt einleuchtend, schreibt aber vielleicht einem Politiker des 5. Jahrhunderts Überlegungen einer viel späteren Epoche zu. Die Hegemonie hatte ohnehin auch ihre Kehrseite. Da waren die Kleruchien, also Ansiedlungen athenischer Bürger auf dem Gebiet von Bündnern, auf der Thrakischen Chersones, auf Naxos und auf Andros. Da waren die Kolonien Thurioi in Unteritalien und Amphipolis in Thrakien. Und da war die harte Niederschlagung des Abfalls von Samos 440–439, nach einer langen Belagerung, die Perikles selbst leitete.
Das Privatleben und die Prozesse gegen seine Freunde
In erster Ehe war er mit einer Verwandten verheiratet, die zuvor die Frau des reichen Hipponikos gewesen war. Mit ihr hatte er zwei Söhne, Xanthippos und Paralos, und die Ehe wurde, wie Plutarch schreibt, mit ihrem Einverständnis geschieden. Es folgte das Zusammenleben mit Aspasia aus Milet, einer gebildeten Frau und bevorzugten Zielscheibe der Komödiendichter. Als Nicht-Athenerin konnte Aspasia ihm nach dem Gesetz des Perikles selbst keine Kinder mit Anspruch auf das athenische Bürgerrecht schenken. Ihr Sohn, Perikles der Jüngere, sollte das Bürgerrecht erst durch einen besonderen Volksbeschluss erhalten, als sein Vater die Söhne aus erster Ehe verloren hatte.
In die letzten Jahre vor dem Krieg verlegt Plutarch eine Reihe von Prozessen gegen das Umfeld des Perikles. Phidias wurde beschuldigt, Material für die goldelfenbeinerne Statue der Athena unterschlagen zu haben. Aspasia wurde wegen Asebie angeklagt, mit dem Komödiendichter Hermippos als Ankläger. Anaxagoras wurde auf Grund eines Antrags des Sehers Diopeithes gegen diejenigen verfolgt, die nicht an die Götter glaubten. Die Historiker sind uneins darüber, wie viel Geschichte in diesen Erzählungen steckt. Unklar ist, wie weit sie aus der Komödie schöpfen oder aus den Pamphleten des Stesimbrotos von Thasos, eines zeitgenössischen, Perikles aber feindlich gesinnten Autors. Ebenso wenig steht fest, wann genau sie zu datieren sind. Keine Antwort auf diese Fragen kann als gesichert gelten.
Der Krieg, die Gefallenenrede und die Seuche
Thukydides hielt den Konflikt mit Sparta für unvermeidlich, wegen der Furcht, die die athenische Macht hervorrief. Der Krieg begann 431. Zuvor hatte Athen die Megarer durch das sogenannte Megarische Psephisma von den Häfen seines Herrschaftsbereichs und vom athenischen Markt ausgeschlossen, und Perikles hatte die Volksversammlung dazu gebracht, die spartanischen Ultimaten abzulehnen. Seine Strategie war einfach im Entwurf und hart in der Ausführung. Die Landbevölkerung sollte sich hinter die Mauern zurückziehen, die die Stadt mit dem Piräus verbanden, und die Felder würden den feindlichen Einfällen preisgegeben. Athen würde sich zu Lande keiner Schlacht stellen, sich auf die Flotte und die Einkünfte seines Herrschaftsbereichs stützen und, solange der Krieg dauerte, keine neuen Eroberungen versuchen.
Im Winter 431/0 hielt Perikles die Grabrede auf die ersten Gefallenen des Krieges. Den Text hat Thukydides im zweiten Buch seines Geschichtswerks festgehalten. Vor allem seit dem 19. Jahrhundert wurde er zum bekanntesten Lobpreis der athenischen Demokratie, jener Verfassung, in der die Macht bei den Vielen liegt, die Gesetze alle gleichermaßen schützen und das Verdienst vor der Herkunft rangiert. Doch Thukydides selbst warnt zu Beginn seines Werkes, die von ihm wiedergegebenen Reden gäben den allgemeinen Gedankengang der Redner wieder und nicht ihren genauen Wortlaut. Die Gefallenenrede des Perikles ist daher zum Teil auch eine Gefallenenrede des Thukydides, verfasst von einem Mann, der den Ausgang des Krieges bereits kannte. Der deutsche Maler Philipp Foltz malte einen romantischen Perikles mit korinthischem Helm und weißem Himation vor der vollendeten Akropolis. Eine fotografische Reproduktion des Gemäldes findet sich in einem dem Münchner Maximilianeum gewidmeten Album. Das Werk zeigt, wie sehr diese Rede inzwischen Teil der europäischen politischen Vorstellungswelt geworden war.

Im Sommer 430 brach in der überfüllten Stadt die Seuche aus, eine Epidemie, die die moderne Forschung nicht mit Sicherheit einer bekannten Krankheit zuordnen konnte. Die Athener entzogen ihm im Zorn das Strategenamt und belegten ihn mit einer Geldstrafe. Wenig später wählten sie ihn erneut zum Strategen. Inzwischen hatte die Seuche ihm seine Schwester und seine beiden Söhne genommen. Plutarch erzählt, Perikles, der bis dahin nie öffentlich geweint hatte, sei in Tränen ausgebrochen, als er den Kranz auf den Leichnam des Paralos legte. Er starb im Herbst 429, nach Thukydides zweieinhalb Jahre nach Kriegsbeginn, nach langer Krankheit. Den Freunden, die seine Siegeszeichen aufzählten, soll er geantwortet haben, diese verdanke er auch dem Glück. Für größeres Lob hielt er, dass seinetwegen kein Athener je Trauerkleidung angelegt habe.
Zwischen Thukydides und Komödie: der Perikles der Quellen
Perikles hinterließ keine Schriften, und sein Bild setzt sich aus Zeugnissen zusammen, die einander nicht entsprechen. Thukydides, sein Zeitgenosse und Bewunderer, schrieb sein abschließendes Urteil nach der Niederlage von 404. Er wollte die besonnene Führung des Perikles seinen Nachfolgern gegenüberstellen, die nach seiner Ansicht dem Volk schmeichelten und die Stadt in verhängnisvolle Unternehmungen wie die Sizilische Expedition stürzten. Die Komödiendichter der Zeit, Kratinos, Telekleides, Hermippos und Eupolis, nannten ihn den Olympier und stellten ihn als Zeus mit riesigem Kopf dar. Sie verspotteten ihn außerdem als schinokephalos, mit einem Kopf wie die lange Knolle der Meerzwiebel. Aristophanes ließ ihn in den Acharnern wegen der Megarer donnern und blitzen. Plutarch schließlich verfasste seine Lebensbeschreibung um 100 n. Chr., rund fünf Jahrhunderte später. Er stellte ihn dem Römer Fabius Maximus gegenüber und schöpfte zugleich aus Thukydides, aus der Komödie und aus Stesimbrotos. Das Ergebnis ist ein Porträt, in dem sich der Demagoge der frühen Jahre in den aristokratischen Staatsmann der reifen Zeit verwandelt, eine Verwandlung, der der moderne Historiker mit Vorbehalt begegnet.
Derselben doppelten Überlieferung gehört auch sein Gesicht an. Plinius der Ältere berichtet, der Bildhauer Kresilas habe ein Bronzebildnis des olympischen Perikles geschaffen. Die erhaltenen Marmorkopien mit dem hohen, über die Stirn hinaufgeschobenen korinthischen Helm gelten als Nachbildungen dieses Vorbilds. Der Helm, Abzeichen des Strategen, wird heute als Hinweis auf das Amt gedeutet, das Perikles fünfzehn Jahre lang ununterbrochen innehatte. Plutarch hingegen erklärt, die Künstler hätten ihn bevorzugt, um den länglichen, unproportionierten Kopf nicht zeigen zu müssen, den die Komödiendichter unablässig verspotteten. Die vatikanische Herme mit der Inschrift ΠΕΡΙΚΛΗΣ ΞΑΝΘΙΠΠΟΥ ΑΘΗΝΑΙΟΣ gehört zu der Reihe von Büsten berühmter Griechen, die im Saal der Musen des Museo Pio-Clementino ausgestellt sind. Diese Werke stammen nach Angaben des Museums aus der Zeit Kaiser Hadrians und wurden in der sogenannten Villa des Cassius bei Tivoli gefunden. Dort stand, etwa fünfhundertfünfzig Jahre nach seinem Tod, der Mann aus Cholargos, den seine Mitbürger als Olympier wie als Meerzwiebelkopf gekannt hatten, mit dem Helm des Strategen zwischen den Bildnissen anderer berühmter Griechen.
Quellen und Literatur
- Aristoteles. Ἀθηναίων Πολιτεία, 26–27.
- Herodot. Ἱστορίαι, 6.131.
- Jones, H. S. (Hrsg.), bearb. von J. E. Powell (1942). Thucydidis Historiae. Oxford: Clarendon Press. Ἱστορίαι 2.65.
- Musei Vaticani. Museo Pio-Clementino. Sala delle Muse.
- Perrin, B. (Übers.) (1916). Plutarch’s Lives, Bd. III: Plutarch, Pericles. Cambridge, MA: Harvard University Press.
- Plinius der Ältere. Naturalis Historia, 34.74.
- Stadter, P. A. (1989). A Commentary on Plutarch’s Pericles. Chapel Hill: University of North Carolina Press.
- UNESCO World Heritage Centre (1987). Acropolis, Athens.