
Mitten im Wasser des Flusses, den kleinen Christus auf der linken Schulter, stützt sich der heilige Christophorus des Theophanes auf einen hohen, belaubten Stab und wendet das Gesicht dem Kind zu, das er trägt. Die Wandmalerei gehört zur Ausmalung des Katholikons des Klosters des heiligen Nikolaus Anapafsas in den Meteora; sie stammt von dem kretischen Maler Theophanes Strelitzas Bathas und ist auf 1527 datiert. Ein Thema, das in der westlichen Kunst große Verbreitung fand, hält hier Einzug in die Ausmalung einer orthodoxen Kirche, und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Beziehung der beiden Gestalten und auf die Bewegung des Heiligen im durchsichtigen Wasser.
Die Signatur von 1527 und der Maler
In der Stifterinschrift des Katholikons nennt Theophanes seinen Namen und seinen Mönchsstand, dazu seine kretische Herkunft. Anapafsas ist sein ältestes erhaltenes signiertes und datiertes Ensemble von Wandmalereien; mit ihm setzt der gesichert belegte Weg seiner monumentalen Malerei ein. Es folgen die großen Werke auf dem Athos, in der Großen Lavra 1535 und im Kloster Stavronikita 1546, wo er mit seinem Sohn Symeon zusammenarbeitete.
Die epigraphische Dokumentation dieses Weges untersucht der Hieromonach Theophanes Stavronikitianos in einer Studie von 2025, in deren Mittelpunkt die Entdeckung eines Teils der Signatur des Malers im Katholikon von Stavronikita steht. Der Fund lieferte ein materielles Zeugnis für die Zuschreibung der dortigen Wandmalereien, die sich bereits auf die stilkritische Forschung stützte und auf eine handschriftliche Notiz, wonach Theophanes und Symeon sie im Januar 1546 vollendeten.
Offener bleiben die Fragen nach seiner Tätigkeit vor den Meteora. Maria Constantoudaki-Kitromilides schlägt vor, die Wandmalereien im Katholikon des Klosters des heiligen Neophytos auf Zypern Theophanes zuzuschreiben, den sie zeitlich etwa zwischen 1485 und 1559 ansetzt. Zudem bringt sie den Maler mit jenem Theophylaktos in Verbindung, der die Ikone der Panagia Enkleistriani im selben Kloster signiert, und erwägt seine Gleichsetzung mit einem gleichnamigen Mitglied der Familie Strelitzas-Bathas, das 1509 und 1517 auf Kreta bezeugt ist. Es handelt sich um eine Forschungshypothese; in ihrem Rahmen wird der Namenswechsel von Theophylaktos zu Theophanes mit der Mönchstonsur verknüpft, die dem Werk in Anapafsas vorausgegangen war.
Die Meteora wurden 1988 in die Liste des Welterbes aufgenommen. In der Dokumentation der UNESCO gelten die Wandmalereien des Theophanes von 1527 als maßgeblicher Bezugspunkt für die ikonographischen und stilistischen Merkmale der postbyzantinischen Malerei, mit einer Wirkung, die weit über diesen Klosterkomplex hinausreichte.
Die Gestalt unter dem Passbogen
Ein gemalter Passbogen in hellen Grautönen umfängt den oberen Teil der Darstellung. Darunter lässt der fast schwarze Grund den goldenen Nimbus und die Konturen der Gewänder klar hervortreten. Die Gesamtaufnahme zeigt Fehlstellen der Malschicht entlang des linken Randes, während weiter unten ein Riss schräg nahe am Stab verläuft und sich zum Wasser hin fortsetzt.
Christophorus erscheint kräftig gebaut, in weitem Ausschreiten und mit nackten Unterschenkeln. Sein rechter Fuß, vom Betrachter aus links, weist in die Richtung des Weges, der andere bleibt weiter zurück; gegen die Bewegung der Beine wendet sich der Kopf zur Schulter, die Christus trägt. Diese kleine Drehung verleiht der Gestalt eine innere Bewegtheit, während der Rumpf die Festigkeit bewahrt, die das Schreiten verlangt.
Der Fluss nimmt den unteren Teil der Komposition ein und reicht bis knapp unter die Knie. Mit aufeinanderfolgenden Wellenlinien in graublauen Tönen gibt der Maler seine Oberfläche an und lässt Unterschenkel und Füße durch das Wasser hindurch sichtbar. Die Linien ziehen vor den Beinen vorbei, bald dichter, bald lockerer, und laufen bis an die Ränder der Darstellung weiter.
Das Kind auf der Schulter und der grünende Stab

Hoch auf der linken Schulter des Heiligen sitzt Christus, den Körper ihm zugewandt. Er trägt einen hellen, graublauen Chiton mit kleinen roten geometrischen Ornamenten und ein rotes Himation, dessen freies Ende hinter ihm, zur rechten Bildseite hin, umschlägt. Die rechte Hand streckt er über den Kopf des Christophorus und legt sie auf dessen Haar; in der linken hält er eine kleine, zusammengerollte weiße Schriftrolle. Ein nackter Fuß hängt vor der Brust des Heiligen herab, unter dem Saum des roten Gewandes.
Den Stab hält Christophorus in der rechten Hand. Das Holz durchmisst fast die ganze Höhe der Darstellung und endet in Blättern, die sich neben dem Nimbus wie eine kleine Palmkrone öffnen. Die Belaubung verweist auf das Wunder des ergrünenden Stabes, das in der hagiographischen Erzählung die göttliche Identität des Kindes anzeigt. So findet im selben Bild der Flussüberquerung auch ein Detail Platz, das auf die Offenbarung Christi deutet.
Die Inschriften
In weißen Buchstaben auf dem dunklen Grund sind die Namen der Gestalten angegeben. Links vom großen Nimbus steht senkrecht, in abgekürzter Schreibung, „Ο ΑΓΙΟΣ“, während sich rechts der Name des Christophorus über mehrere Zeilen entfaltet, mit Buchstabenligaturen und verlängerten Ausläufern. Wie die Schrift angeordnet ist, hängt von der ungleichen Verteilung des Raumes zwischen dem Gewand Christi und dem Bildrand ab.
Neben dem Kopf des Kindes sind die Buchstaben „ΙϹ ΧϹ“ zu erkennen, die gebräuchlichen Abkürzungen des Namens Jesus Christus, wobei das Lunarsigma die Form eines C annimmt. Im Nimbus zeichnen sich zudem Linien des eingeschriebenen Kreuzes ab. Die fotografische Detailaufnahme erlaubt es, die Namen zu identifizieren, bietet aber keine ausreichende Grundlage für gesicherte Schlüsse über die Akzentuierung des Heiligennamens oder die Person des Schreibers.
Wiedergabe im Neugriechischen
Die Inschriften, mit aufgelösten Abkürzungen:
- „Ο ΑΓΙΟΣ ΧΡΙΣΤΟΦΟΡΟΣ“: Ο Άγιος Χριστόφορος, also „Der heilige Christophorus“.
- „ΙϹ ΧϹ“: Ιησούς Χριστός, also „Jesus Christus“.
Gewandung, Falten und Antlitz
Vorn durch eine Reihe runder Knöpfe geschlossen, folgt das graublaue Obergewand dem Rumpf und ist weiter unten hochgerafft, sodass die Beine für die Durchquerung frei bleiben. Ein heller Streifen betont seine Öffnung, während der zusammengefasste Stoff große, geschwungene Falten bildet, die auf der rechten Seite der Fotografie, wo die linke Hand des Heiligen aufliegt, stärker ausgeprägt sind. Unter dem Obergewand wird ein helles Kleidungsstück sichtbar, das die Oberschenkel bedeckt und etwa an den Knien endet.
Der rote Mantel ist vorn, hoch auf der Brust, mit einem großen Knoten gebunden. Er legt sich über die Schultern und fällt hinter der Gestalt bis in Kniehöhe herab, seine Enden schlagen nach außen um. Oben nähert sich seine rote Fläche dem Himation Christi, weiter unten rahmt sie das graublaue Obergewand. Die Lichter auf den Stoffen folgen den wechselnden Richtungen der Falten, besonders um den Ellbogen und in dem großen Umschlag unter der linken Hand.
Im Antlitz wird die Ausführung feiner. Braunes, gewelltes Haar rahmt die Wangen und reicht bis in den Nacken, der Bart teilt sich um das Kinn in kleine Strähnen. Warme Inkarnattöne und tiefere Schatten um die Augen und entlang der Nase modellieren das Volumen des Kopfes. Der Blick richtet sich auf Christus, ohne merkliche Veränderung im Ausdruck des Mundes.
Euthymios Tsigaridas hat eine tragbare Ikone der Entschlafung der Gottesgebärerin untersucht, die aus der gleichnamigen Kirche in Kalambaka stammt und im Kloster Varlaam aufbewahrt wird; er schreibt sie Theophanes zu und datiert sie auf 1527. Die nahezu identische Ikonographie mit der Entschlafung in Anapafsas und die stilistische Verwandtschaft mit Andreas Ritzos stützen seinen Vorschlag. Beim Christophorus wird die Zurückhaltung im Ausdruck, nach unserer Lesart, besonders spürbar, sobald man beachtet, mit wie sparsamen Mitteln die Verbindung zum Kind angezeigt wird: Die Wendung des Kopfes und die Blickrichtung genügen, während die Hände mit dem Stab und dem gerafften Gewand beschäftigt bleiben.
Der heilige Christophorus des Theophanes und die westliche Ikonographie
Die Geschichte von Christus, der durch den Fluss getragen wird, fand in der westlichen mittelalterlichen Überlieferung weiteste Verbreitung. Die Dokumentation des Metropolitan Museum of Art zu dem entsprechenden Gemälde von Giovanni Battista Piazzetta fasst die Erzählung der Goldenen Legende (Legenda aurea) zusammen: Der ungewöhnlich hochgewachsene Christophorus trägt ein kleines Kind ans andere Ufer, bevor es ihm offenbart, dass es Christus ist. Piazzettas Gemälde gehört in die 1730er-Jahre; der Verweis auf das Museum dient hier der hagiographischen Erzählung und ist kein Beleg für das unmittelbare malerische Vorbild des Theophanes.
Im kretischen Umfeld war der Kontakt mit westlichen Themen und Malweisen bereits fest verankert. Angeliki Lymberopoulou untersucht Ikonenaufträge in forma latina und in forma greca anhand der Notariatsakten von Candia. Zu den Malern, die sie behandelt, gehört Nicolò Gripioti, tätig von 1491 bis 1525, der einen heiligen Christophorus für die Kapelle der Familie Bono im Dominikanerkloster des heiligen Petrus Martyr gemalt hatte. Dieses Zeugnis zeigt, dass das Thema schon vor der Ausmalung von Anapafsas in Aufträgen an kretische Werkstätten präsent war.
Vor diesem Hintergrund lässt sich die Entscheidung des Theophanes verstehen. Die Komposition knüpft an die westliche Ikonographie des Heiligen an, der Christus trägt, während sich ihre malerische Ausführung in das Gesamtprogramm des orthodoxen Katholikons einfügt. Ein bestimmtes venezianisches Vorbild genau zu benennen, würde eine eingehendere vergleichende Dokumentation erfordern, als die genannten Quellen sie bieten.
Aufschlussreich ist auch der Gegenstand in der Hand des Kindes. Auf der kleinen Tafel des heiligen Christophorus, die das Philadelphia Museum of Art mit der Schule Jan van Eycks verbindet und um 1460–1470 datiert, hält Christus eine Kristallkugel, die sich auf die Last der Welt bezieht, welche der Heilige mitsamt seinem kleinen Fahrgast trägt. In der Wandmalerei von Anapafsas hält er eine geschlossene Schriftrolle, sichtbar als kleiner weißer Pinselstrich auf dem roten Himation, neben den Fingern seiner linken Hand.
Quellen und Literatur
- Lymberopoulou, A. (2023). Post-Byzantine Cretan Icon Painting: Demand and Supply Revisited. Arts, 12(4), 139.
- Metropolitan Museum of Art (o. J.). Saint Christopher Carrying the Infant Christ (Giovanni Battista Piazzetta). The Met Collection, New York.
- Philadelphia Museum of Art (o. J.). Saint Christopher, um 1460-1470. Collection, Philadelphia.
- UNESCO World Heritage Centre (1988). Meteora. World Heritage List, Nr. 455.
- Theophanes Stavronikitianos, Hieromonach (2025). Η ὑπογραφὴ τοῦ Θεοφάνους τοῦ Κρητὸς στὴν Ἱ.Μ. Σταυρονικήτα Ἁγίου Ὄρους [Die Signatur des Theophanes des Kreters im Heiligen Kloster Stavronikita auf dem Berg Athos]. Βυζαντινά Σύμμεικτα, 35, 349-373.
- Constantoudaki-Kitromilides, M. (2023). Οι τοιχογραφίες στο καθολικό της μονής Αγίου Νεοφύτου: εικονογραφία, καλλιτεχνική ταυτότητα και ο κρητικός Θεοφάνης στη βενετική Κύπρο [Die Wandmalereien im Katholikon des Klosters des heiligen Neophytos: Ikonographie, künstlerische Identität und der Kreter Theophanes im venezianischen Zypern]. Δελτίον της Χριστιανικής Αρχαιολογικής Εταιρείας, 42 (2021), 197-238.
- Tsigaridas, E. N. (2001). Άγνωστο έργο του Θεοφάνη του Κρητός στα Μετέωρα [Ein unbekanntes Werk des Theophanes des Kreters in den Meteora]. Δελτίον της Χριστιανικής Αρχαιολογικής Εταιρείας, 22, 357-364.